Armut - Schuld oder Schicksal?

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Alleinerziehende mit 5 Kindern
gesprochen von Sigrid Wenzel
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Als Elke S.  mit 20 Jahren geheiratet hat, hat sie sich ihr Leben anders vorgestellt. Heute lebt sie in Armut. Ihr erster Mann war ein Alkoholiker und starb, als sie 29 Jahre alt war. Urplötzlich - Krebs. Ein Wendepunkt in ihrem Leben. Sie heiratete einen anderen. Der war zwar auch Alkoholiker, nur schlimmer als der erste. Elke S.:
 

 O-Ton (16 Sekunden)
„Er hat uns halt verprügelt, geschlagen und es war also in der Zeit auf jeden Fall nicht schön, wirklich nicht. Es waren Zustände - das war schrecklich. Das haben sogar meine Nachbarn haben das gesagt.“
Fünf Kinder gingen aus beiden Ehen hervor. Heute sind sie zwischen acht und 17 Jahren alt. Eine siebenköpfige Familie also. Da wird das Geld ohnehin knapp, und die Sucht ihres Mannes machte alles nur noch schlimmer:
 
O-Ton (27 Sekunden)
„Wir waren halt ziemlich alle, alle geschlagen, weil wir einfach überhaupt hinten und vorne kein Geld mehr hatten und es ging einfach nicht mehr aufwärts. Es ging bloß noch bergab. Und es war wirklich schlimm, für die Kinder war‘s unheimlich schlimm. Und für mich dann im Endeffekt auch, aber ich mußte ja dasein für meine Kinder und hab‘ das so lange durchgezogen, bis es dann wirklich auch gar nicht mehr ging und jetzt wohnen wir hier.“
Doch ohne fremde Hilfe hätte es Elke S.  kaum geschafft: Sie wandte sich ans Frauenhaus. Das half ihr, eine Sozialwohnung in der Tübingen Südstadt zu finden und die Scheidung von ihrem zweiten Mann zu bewältigen.
Seit drei Jahren lebt sie nun von Kindergeld und ihrer knappen Witwen-Rente. Vom Sozialamt bekommt sie ab und zu Zuschüsse, z.B. für Kleider. Nicht gerade viel, um die hungrigen Kindermäuler zu stopfen:
 
O-Ton (19 Sekunden)
„Tja, es geht so. Es muß halt. Ich bin das von meiner zweiten Ehe gewohnt, daß ich mit so wenig Geld auskomme. Ich hatte damals bloß 20 Mark in der Woche, mehr nicht.“
Das andere hat er zum Saufen gebraucht, zum Trinken gebraucht.“
Eine Arbeit will sie nicht annehmen, sagt die 39jährige: Sie will sich ganz ihrem jüngsten, achtjährigen Sohn widmen. Und so kann sie Kinderwünsche, wie ein Computerspiel z.B., nur selten erfüllen. Beim Einkaufen muß Elke S. streng auf den Preis achten. Und auch im Haushalt mußte sie schon ab und zu improvisieren, z.B. als ihr das Filterpapier für die Kaffeemaschine ausging:
 
O-Ton (29 Sekunden)
„Dann habe ich einen Strumpf von mir genommen, unten abgeschnitten - bloß nicht zu weit, sonst ist unten ein Loch drin - und den hab ich reingemacht in den Kaffeefilter und Kaffee reingemacht und so kann man auch Kaffee trinken. Also in der Not frißt der Teufel Fliegen. Ja, und genauso wenn ich keinen Glasreiniger hab, dann nehm ich bloß Wasser und mach meine Scheiben mit Wasser sauber und Zeitungspapier.“

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