Armut - Schuld oder Schicksal?

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Müssen wir Armut akzeptieren?


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Schlußwort: Müssen wir mit Armut leben?
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Das war sie fast, die Werkstatt zum Thema Armut. Also ich habe in der letzten Stunde gelernt, daß Armut fast jeden treffen kann. Frage an unseren Studiogast Jürgen Volkert vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung: Muß unsere Gesellschaft eigentlich Armut akzeptieren?

Eine Armut muß Gesellschaft nicht akzeptieren, zumindest nicht in Industrieländern. Es muß aber da sein eine Bereitschaft zur Armutsbekämpfung, und die hängt davon ab, wie die Wertvorstellungen innerhalb einer Gesellschaft sind. Es gibt durchaus eben auch Leute in der Bevölkerung, die gegen eine explizite Armutsbekämpfung sind.

Wieso denn?

Ganz einfach deswegen, weil gesagt wird: Arme die in eine solche Lage kommen, sollen eben versuchen, selbst rauszukommen; sie haben Pech gehabt, aber dennoch heißt es für manche Leute eben nicht, daß da was getan werden soll.
Zweitens wird oft befürchtet, das wäre nicht finanzierbar. Finanzierbar wäre das durchaus. Also es wird geschätzt, daß in Industrieländern - wenn man von den USA absieht - gerade mal max. 1 % der Wirtschaftsleistung, 1 % des Bruttoinlandsprodukts - notwendig wären, um die Armut unter der 50 %-Grenze zu überwinden. Also die Fananzierbarkeit steht hier nicht zur Diskussion.
Eine andere Zahl: Man bräuchte weniger als 4 % der gesamten Sozialausgaben, um Armut in den Industrieländern zu überwinden.

Warum gibt's dann überhaupt noch Armut?

Ja, das Problem ist eben das, daß eben auch wissenschaftliche Vorschläge in der Politik, im politischen Wettbewerb schwer durchsetzbar sind. Wir müssen ganz klar sehen, daß je höher die Einkommen sind, umso höher auch die Wahlbeteiligung ist, umso der politsiche Einfluß ist. Wir haben eine höhere Organisationsfähigkeit von Wohlhabenden. Auf der anderen Seite stehen Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger mit einer deutlich geringeren Wahlbeteiligung. Und wir müssen auch sehen: Wir haben das Problem, daß inzwischen mehr als die Hälfte aller Bezieher von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt in der Sozialhilfe Nichtwähler sind: Das sind Kinder und ausländische Erwachsene. Und hier braucht es eben auch politisch-institutionelle Reformen, um hier einen Schritt weiter zu kommen.

Die haben also keine Lobby.

Die haben keine Lobby, und die haben eben einen deutlich geringeren Einfluß. Und wenn eben gekürzt wird, dann wird dort gekürzt, wo der Widerstand im politischen Bereich geringer ist.

Schönen Dank Herr Volkert, daß Sie bei uns im Studio waren. Das war sie endgültig, die Werkstatt zum Thema Armut. Ich hoffe, wir haben Sie gut informiert. Am Mikrophon war Gerhard Wahle.