Kommunikationspsychologe Weisbach (l.) beim Interview mit Gerhard Wahle

Kommunikationspsychologie

Wie entstehen eigentlich Mißverständnisse? 
Mit vier Ohren hört der Mensch....

Aktives Zuhören
Die hohe Kunst des Zuhörens: Auf die Gefühle des anderen eingehen.

Lernen, mit Gefühlen umzugehen

Andere überzeugen
Im Dreischritt zum Ziel und den anderen beim Wort nehmen

Unangenehmes mitteilen
Sanfte Kritik, Beschwerden vorbringen und entgegennehmen

Spontaneität
Was geschieht, wenn wir Gefühle ansprechen?
Nervosität bekämpfen
und: Positives sprechen

Ist alles nur Manipulation?
Welche Rolle spielt Emotionale Intelligenz?


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Lernen, mit Gefühlen anderer umzugehen
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Um die Gefühle anderer richtig erkennen zu können und ansprechen zu können, muß man sich seiner eigenen Gefühle auch erst mal klar werden, wie man eigentlich denkt oder wie man in den anderen eigentlich reindenken und reinfühlen kann. Wie kann man das lernen?

Es gibt ja seit zwei Jahren so ein beliebtes Thema im Zuge zur Debatte um Emotionale Intelligenz. Es wird immer häufiger davon gesprochen, daß die Menschen ihren emotionalen Anteil auch in Worte kleiden sollen.
Und zu Ihrer Frage, wie lerne ich, mit den Gefühlen umzugehen: Indem ich mir bewußt mache, daß mein passiver Wortschatz - wie ich Wörter verstehe, die in Schrift oder Umgangsprache benutzt werden, genau so aktiv verwende. Dabei werden Sie beobachten können, daß die Mehrzahl unserer Mitmenschen auf etwa 20-30 Wörter kommt, wenn man sie fragt: "Wieviele Wörter kennen Sie für Gefühle?" Dabei kennt jeder von uns 250 Wörter für Gefühlszustände und kann sie auch differenziert beschreiben.
Also die erste Übung wäre, daß ich mein eigenes Vokabular erweitere, um meine eigenen Empfindungen in Worte zu kleiden.

Jetzt ist ja die Methode "Aktives Zuhören" eine prima Sache um etwa die Mitarbeiter bei Geschäftsleuten besser motivieren zu können. Dabei werden die Gefühle vielleicht bloß vorgespielt. Kann das funktionieren?

Ich sagte eben, jeder Mensch trachtet danach, ernst genommen zu werden. Wenn ich mich als Mitarbeiter von meinem Vorgesetzten verstanden fühle, weil er tatsächlich auf meine Gefühle eingeht, dann funktioniert es: Er kann mich motivieren. Aber ich werde sehr schnell spüren, ob ich ausgenutzt werde.
Wenn beispielsweise ein Vorgesetzter seinen Mitarbeiter nach Feierabend anspricht und sagt: Ich kann mir gut vorstellen, daß es Sie jetzt nervt, wenn ich Sie zu Beginn Ihres Feierabends bitte, noch eine Aufgabe zu erledigen. Dann kann das wie eine Masche wirken, die der Chef sich irgendwo antrainiert hat, das kann aber auch ausgesprochen ernste Einfühlung sein, daß der angesprochene Mitarbeiter alles andere als erfreut ist, noch Überstunden machen zu dürfen.
Ob er sich eingewickelt fühlt oder ob er sich anteilnehmend ernstgenommen fühlt, entscheidet seine Erfahrung im Umgang mit diesen Vorgesetzten.

Und wenn er jeden Abend damit kommt, wird das sicherlich nicht mehr der Fall sein.

Dann ist es eine Masche.


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