Armut - Schuld oder Schicksal?

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Arm trotz Arbeit
gesprochen von Christoph Ulmer
Technische Unterstützung bei Verfremdung der O-Töne: Wolfram Schanz
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Anmoderation

Daß jemand, der keine Arbeit hat, von Armut bedroht ist, haben wir bisher schon erfahren. Aber zunehmend haben auch Arbeitnehmer Probleme, sich über Wasser zu halten. Sie sind trotz Arbeit arm. Betroffen davon sind vor allem die sogenannten Scheinselbständigen: Sie sind eigentlich ganz normale Arbeitnehmer, werden aber vom Arbeitgeber als Selbständige deklariert. Längst gibt es nicht nur scheinselbständige Kurierfahrer. Auch im akademischen Bereich finden sich immer mehr Scheinselbständige. Eine von ihnen ist Melanie Hoffmann, ihren Namen und ihre Stimme haben wir zu ihrem Schutz geändert.
 

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Scheinselbständigkeit gibt es überall dort, wo ein Überangebot von Arbeitskräften entsteht. Im akademischen Bereich sind davon zum Beispiel Lehrer betroffen, die nicht in den Staatsdienst übernommen werden. Zu ihnen zählt auch Melanie Hoffmann. Ihren Namen und ihre Stimme haben wir zu ihrem Schutz verfremdet.
Die Ausbildung von Melanie Hoffmann wird hier nicht anerkannt. Die Ehefrau und Mutter von drei Kindern ist an Tübingen gebunden. Deshalb muß sie hier bei anderen Bildungsträgern Unterschlupf finden - und die stellen ungern feste Mitarbeiter ein. Alles läuft auf Honorarbasis:
 
O-Ton (31 Sekunden):
„Ich verdiene so rund 30 Mark die Unterrichtsstunde, das heißt ich muß von diesem Geld alle meine Sozialversicherungen selber tragen, wenn ich das machen möchte und mein Arbeitgeber achtet sehr darauf, daß ich nicht mehr als 400 Stunden im Jahr arbeite, weil er sonst Gefahr laufen würde, daß ich mich einklage.“
12.000 Mark verdient Melanie Hoffmann so im Jahr. Auf das Geld ist sie angewiesen, denn ihr Mann ist arbeitslos. Trotz schlechter Bezahlung möchte sie die Arbeit nicht missen, denn sie hat Spaß daran und erfährt das Gefühl, gebraucht zu werden. Eine Festanstellung wäre ihr natürlich lieber, aber die wird ihr ihr Arbeitgeber ohne gesetzlichen Druck nicht anbieten, denn für ihn ist diese Art der Beschäftigung ideal:
 
O-Ton (33 Sekunden):
„Die Vorzüge sind, daß er weniger als die Hälfte bezahlen muß. Er muß diese ganzen Sozialversicherungen nicht zahlen; das wird alles auf mich abgewälzt und er muß mir keinen Krankenstand bezahlen, er muß mir kein Urlaubsgeld bezahlen, kein Weihnachtsgeld bezahlen. Wenn mein Vertrag ausläuft - ich habe immer Drei-Monats-Verträge -, muß er mich nicht weiterbeschäftigen, also der Arbeitgeber ist eigentlich ganz frei.“

Abmoderation

Wenn Sie selber scheinselbständig sind oder arbeitslos sind, dann können Sie sich an den Tübinger Arbeitslosen Treff, kurz TAFF wenden. Die Betroffeneninitiative wird Sie in allen Fragen rund um Arbeitslosigkeit beraten. Außerdem gibt es regelmäßige Treffen und Ausbildungskurse. Die Tel.: 07071/400 648.
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